Behinderung – wie Kinder damit umgehen

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Tagesmutter Daniela Hartner aus Wildon betreute in den letzten zwei Jahren ein Mädchen mit Behinderung, das nun in den Kindergarten wechselt. Sie ist eine von 87 Tagesmüttern mit der Zusatzausbildung zur MIKADO- und Kinder- und Jugendhilfe-Tagesmutter. Daniela Hartner qualifizierte sich im Unternehmen weiter und kann nun auch Kinder mit einer Behinderung betreuen (MIKADO) und/oder mit dem Jugendamt zusammenarbeiten.

Erfolgreiche Arbeit

Und eines Tages kam Lisa. Als Lisa vor zwei Jahren zu uns kam, ist sie gerade zwei Jahre alt geworden. Für einen guten Start und eine erfolgreiche Arbeit ist es wohl am wichtigsten Vertrauen zum Kind aufzubauen. Die enge Zusammenarbeit mit der Frühförderin hat Lisa erst zu mir geführt. Damit sich Lisa gut in die Gruppe integrieren konnte, musste ich die anderen Kinder darauf vorbereiten, dass ein Mädchen zu uns kommen wird, das zwar schon zwei Jahre alt ist, aber noch nicht gehen kann und manche Sachen erst lernen muss. Es war schön zu beobachten, mit welcher Selbstverständlichkeit die Kindern Lisa aufgenommen haben und wie schnell sie sich eingelebt und wohlgefühlt hat.

Als einige Zeit später ein Kind zur Ferienbetreuung in unsere Gruppe kam, erkundigte es sich nach den Hintergründen des Verhaltens von Lisa. Die Frage wurde von einem anderen Kind (drei Jahre alt) beantwortet. Es erklärte: „Lisa kann nicht laufen, weil ihre Füße krank sind, deswegen muss sie oft getragen werden, aber sie kann auch krabbeln und sie kann sogar schon auf ihren Knien gehen. Und sie kann noch nicht reden, das wird sie erst lernen. Manchmal fächert sie so wild mit ihren Händen, wenn sie sich freut, das machen wir nicht, aber Lisa schon, das macht nichts, Lisa ist halt so. Manchmal kann Lisa etwas nicht so gut, dann helfen wir ihr einfach …“

Lisa in der Kindergruppe

Lisa war vom ersten Tag an sehr interessiert am Gruppengeschehen und wollte an allen Aktivitäten teilhaben. Ich war fasziniert von der Freude, die sie ausstrahlt, und dem Ehrgeiz alles zu schaffen, was die anderen Kinder machen. Die Rituale und der strukturierte Tagesablauf sind überaus wichtig für sie, das gibt ihr Halt und Sicherheit.

Da Lisa am Nachmittag immer am längsten blieb, hatte ich Zeit, speziell auf ihren Förderbedarf einzugehen. Mir ist es allerdings wichtig, auch andere Kinder miteinzubeziehen, da es mehr Spaß macht und Kinder am meisten von anderen Kindern lernen. Durch Beobachten und Nachahmen konnte Lisa sehr viel und schnell lernen. Das gemeinsame Spielen und Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung wirkt sich positiv auf die Entwicklung aller Kinder aus. Es war wunderschön zu beobachten wie selbstverständlich es für alle war, Lisa zu unterstützen und wie sehr sie sich mit Lisa über jeden einzelnen ihrer Fortschritte freuten.

Freundschaften entstehen

Im Laufe der Betreuung hat Lisa viele Freunde gefunden, sie kam mit allen gut aus. Insbesondere Marie, das älteste meiner Tageskinder, die beiden waren unzertrennlich. Marie war auch ihr großes Vorbild, sie hat eine sehr wesentliche Rolle in Lisas Entwicklung gespielt. Lisa malt und bastelt sehr gerne und mittlerweile sehr sorgfältig und genau. Rollenspiele mit ihren Freunden machen ihr großen Spaß und waren sehr gewinnbringend für ihre Sprachentwicklung. Durch Lisas Ehrgeiz und die Motivation alles selbst zu schaffen, entwickelte sie sich zu einem selbstständigen Mädchen.

Lisas Erfolge

Sie lernte, sich auf den Knien fortzubewegen, um nicht immer getragen werden zu müssen, später auch aufzustehen, um sich Sachen selbst holen zu können und um Hilfe zu bitten, wenn etwas nicht gelingt. Sie lernte, sich selbst an- und auszuziehen, mit Besteck zu essen und später mit Hilfe von orthopädischen Schuhen an der Hand zu gehen.

Zum Ende der Betreuung schaffte sie es schon, im Wechselschritt Stiegen zu steigen und auf die Rutsche zu klettern, wenn ich sie gehalten habe. Sie konnte sich immer selbst austesten und ihre eigenen Erfahrungen machen. Sie bekam Unterstützung, wo sie sie brauchte und die Ermutigung, es immer wieder zu versuchen.

Lisa wird nun in den Kindergarten wechseln. Ich weiß, dass sie dafür bereit ist und noch sehr viel in ihrem Leben erreichen kann. Ich wünsche ihr von ganzem Herzen, dass sie immer eine so fröhliche, positive, ehrgeizige und starke Persönlichkeit bleibt.

Daniela Hartner, MIKADO-Tagesmutter aus Wildon

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