Mein Traumberuf – Tagesmutter

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Kinder haben mich schon immer fasziniert. Ich gab Firmunterricht, begleitete eine Kindergruppe sowie den Pflegeelternverein. Bei einer Veranstaltung traf ich die damalige Regionalstellenleiterin Marianne Radl, die den Beruf Tagesmutter und -vater vorstellte. Ich wollte weiterhin zuhause arbeiten und war durch das Gespräch sehr interessiert an der Ausbildung. Warum also nicht das Hobby zum Beruf machen? Zum Traumberuf!

So kam es, dass ich die Ausbildung bei Tagesmütter Steiermark startete. Acht Monate intensive Ausbildung, inklusive Praktika im Kindergarten und bei zwei Tagesmüttern. Von Tag zu Tag wurde immer klarer, eine Tagesmutter ist nicht Babysitter. So vieles gibt es neben den Rechtsgrundlagen zu beachten. Angefangen bei Kinderpsychologie, Erziehungsmodelle über Sprachentwicklung, Spielen mit Kindern und Förderung bis hin zur Selbstreflexion.

Arbeiten mit der kleinen Gruppe

Im Kindergarten-Praktikum wurde mir schnell bewusst, ich möchte eine Kleingruppe betreuen. Mir ist vor allem wichtig, dass Kinder sich so frei wie möglich entwickeln können. Kinder sollen sich frei nach Maria Montessori und Emmi Pikler entfalten, in ihrem Tempo, mit ihren Stärken und ihrem Drang nach Spielen und Lernen. In der Kleingruppe bei mir zuhause kann ich dies sehr gut umsetzen. Egal welches Bedürfnis ein Kind gerade hat, ich kann es als Tagesmutter bestmöglich unterstützen.

Spielen ist ein großes Thema bei uns. Herkömmliche Spielsachen sind Nebensache. Wir bauen aus Eierkartons Ställe für unsere Hüpftiere und verstecken uns mit Büchern unter dem Esstisch. Gelesen wird täglich, oftmals viele Bücher am Stück, je länger desto lieber. Auch Musik und Musikalische Frühförderung nehmen einen großen Platz in unserem Alltag ein. Ganz wichtig für alle ist aber die Freispielzeit sowie gesunde Ernährung und Umweltschutz.

So viel Zuneigung

Momentan habe ich eine wunderbare Gruppe. Manchmal ist es sehr anstrengend, aber umso liebevoller und lustiger ist es am nächsten Tag. Erst vor ein paar Tagen gab es einen so herzlichen Moment, als sich ein Tageskind an mich lehnte und sagte: „Du, i mog di.“ Nie fühlt man mehr Aufrichtigkeit und Liebe als wenn ein Kleinkind so viel Zuneigung zeigt.

Traumberuf mit vielen Aspekten

Natürlich gibt es Situationen, in denen man sich vielleicht eine Kollegin wünscht. Aber da reicht ein Griff zum Telefon, um mit Kolleginnen zu sprechen oder in der Regionalstelle anzurufen. Man bekommt stets ein offenes Ohr.

Wir Tagesmütter haben Struktur, wir haben Vorgaben, wir haben pädagogische Konzepte, wir begleiten Kinder in ganz wichtigen Phasen ihres Lebens und bereiten sie auf den Kindergarten vor. Unser Tag endet nicht, wenn die Kinder nach Hause gehen. In meinem Fall geht’s dann ans Vorbereiten für den nächsten Tag. Ich betreue ganztags und abends bin ich wirklich müde. Aber für nichts würde ich meinen Job tauschen wollen, denn ich habe meinen Traumberuf gefunden.

Lydia L., Tagesmutter aus Ottendorf an der Ritsch