Kinder sind von sich aus kreativ

kreativ

Es ist für mich immer wieder spannend, ein Thema für das neue Betreuungsjahr zu wählen. Heuer sind wir kreativ, es geht um Ästhetik und Gestaltung. Hinter dem Motto „ART-IST … Werken – Wirken – Gestalten“ verbirgt sich ein bildnerischer Schwerpunkt, aber noch einiges mehr!

Welches Thema ich letztlich wähle, hängt von mehreren Faktoren ab. Erstens von den Kindern, ihrem Alter, ihren Interessen und Anlagen. Zweitens versuche ich, alle im Bildungsrahmenplan enthaltenen Themenkreise wie Ethik und Gesellschaft, Emotionen und soziale Beziehungen, Sprache und Kommunikation, Bewegung und Gesundheit, Ästhetik und Gestaltung, Natur und Technik einzubauen. Oder ich lege die Schwerpunkte abwechselnd auf jeweils einen der Bereiche.

Schließlich fließt bei der Themenwahl meine eigene Neugier und Lust mit ein – unter welchem Fokus möchte ich meine kleine Truppe durch das kommende Jahr führen? Welche Idee zündet? Denn wenn sie das bei mir tut, lassen sich die jungen Geister ganz sicher davonanstecken!

Werken – Wirken – Gestalten

Für Kinder in dem Alter ist letztlich alles, was sie tun Werken, Wirken und Gestalten – und das ist sehr gut so. Denn die Welt will erobernd und gestaltend begriffen werden!

Den Kindern diese Freiheit zu geben, ist mir in meiner pädagogischen Arbeit enorm wichtig. Ganz nach den Prinzipien Maria Montessoris bedeutet das im Betreuungsalltag, dass ich unterschiedlichste, vielfältige Betätigungsmöglichkeiten für die Kinder anbiete. Anhand dieser können sie ihre Alltagskompetenz, ihre Kreativität und Selbstwirksamkeit erarbeiten und ausbauen!

Auch soziale, sprachliche und Bewegungsaspekte wie Grob- und Feinmotorik kommen hinzu.

Ich lasse die Jahreszeiten einfließen und achte dabei besonders auf die Impulse, die von den Kindern selbst kommen. Denn diese spiegeln nicht nur die Interessen der Kinder wider und damit die „Lernfenster“, die sich dabei aktuell eröffnen. Sie sind oft einfach so großartig kreativ, wie es kaum noch ein vorgeformtes Erwachsenengehirn ersinnen kann!

Ich möchte einige unserer Projekte vorstellen, die wir „ko-kooperativ“ in den ersten Monaten unseres „kreativen Jahres“ durchgeführt haben. Und dabei jede Menge Spaß und mehr noch: Freude am Tun, gehabt haben!

„Cordon bleu“ oder: Was macht das blaue Seil im Garten?

Als offenes Outdoor-Spielmaterial habe ich zwei blaue Seile (dickere Wäscheleinen) zur Verfügung gestellt. Seit drei Monaten nehmen sich die Kinder diese immer wieder zur Hand und flechten, binden, wickeln, legen, bauen, begrenzen, balancieren …

(Wein-)Blätterwald in Styropor

Meine Carportbepflanzung mit Isabellatrauben ist nicht nur als herbstliche Nascherei sehr beliebt. Die großformatigen Blätter lassen sich auch als vielfältiges Spielmaterial verwerten. Hier habe ich einfach einige in einer großen Schüssel bereitgestellt, die Enden der Stiele abgebrochen, damit man sie besser zum Stecken verwenden kann. Dazu eine große Styroporplatte, altes Verpackungsmaterial, und los ging´s! Es entstanden Wälder und Welten, in die sich die Kinder auch bald anderes Spielmaterial wie Tiere, Puppen, Autos … dazu holten.

„Auf die Walzen – fertig – los!“: Unser großes Herbstfarbenbild

Ein großformatiges Papier auf den Küchentisch geklebt, kleine Farbwalzen, die die Kinder lieben, rote und gelbe Fingerfarben – ein Riesenspaß!

Bühne frei für Blätterstöcke!

Ein wunderbares Zufallsprojekt! Auf einer öffentlichen Grünfläche schnitten Arbeiter die Büsche, wir kamen beim Spaziergang vorbei – und die Kinder haben einen halben Vormittag lang eine richtige Bühne gestaltet!

Murmelbilder

Fingerfarben in einen Schuhschachteldeckel gedrückt, zwei Murmeln rein, los!

Unser großes Finger(farben)bild

Ein großformatiges Papier auf den Boden geklebt, Teller mit verschiedenen Farben, los!

Muffins backen und verzieren

Beim Backen reichte die Beteiligung der Kinder vom interessierten Beobachten bis zum eigenhändigen Mixen. Mit bunten Zuckerfarben kreativ verziert haben die Muffins (fast) alle, die fertigen Kuchen geschmaust haben 100 % mit Begeisterung!

Blätterbad

Die schönen gelben Herbstblätter lasse ich im Garten nicht nur aus Faulheit liegen, denn die Kinder lieben es, damit zu spielen! Einfach in die Luft schmeißen und es „schneien“ lassen, in diverse Behältnisse füllen, … und natürlich auch seeeeeehr gerne ein Blätterbad darin nehmen! Da wollen alle einmal drankommen, sich in die Plastikwanne setzen und von den anderen eingraben lassen!

Autoreifen

Vier alte Autoreifen im Garten, was kann man damit machen? Rollen, auftürmen, sich hineinsetzen, darauf balancieren …

Knete mit Bohnen und …

Mit selbstgemachter Knete lässt es sich noch besser spielen, wenn man zum Beispiel rohe Bohnen, Strohhalmstücke, Keksausstecher, Besteck, verschiedene Behälter anbietet. Ich wähle bewusst Alltagsgegenstände anstelle von typischem Knetespielmaterial.

Unser bunter Herbstlaubschnipselbaum

Die Kinder schneiden und reißen gerne Papier. Hier haben wir herbstblattfärbiges Buntpapier zu Schnipseln verarbeitet und damit einen Herbstbaum gestaltet. Die Papierschnipsel klebten wir mit Kleister auf. Besonders schön, wenn wir hinter der Fensterscheibe dann noch die echten Herbstbäume sehen.

Unser großes Wasserfarbenbild

Auch schon junge Kinder genießen es, mit Wasserfarben zu hantieren. Die schwierige Handlungsabfolge braucht am Anfang noch Unterstützung.  Freude macht es aber allemal. Allein schon beim Aufzählen der Utensilien, die wir zum Malen benötigen, dann das Hervorholen und Öffnen der bunten Farbkästen, was beinahe etwas Magisches an sich hat …

Gemeinschaftsbilder präsentiere ich immer eine Zeit lang an der Haustür, im Eingangsbereich oder im Spielzimmer, damit Kinder und Eltern noch eine Weile ihre Werke bestaunen können! Und sehen, wie kreativ sie sind.

Johanna O., Tagesmutter aus Graz