Plastikfrei durch das Jahr

plastikfrei

Eine Freundin und Kollegin fragte mich, ob ich mitmachen würde, ein Jahr plastikfrei zu leben und zu arbeiten. Ich habe schon viele Dokumentationen gesehen über den Zustand der Meere oder über die enormen Mengen an Plastikmüll, die aus Europa exportiert werden. Als ich dann in Weiz ein Vogelnest, das durchwoben war mit Plastikstücken, entdeckte, sagte ich: „Ja!“

Von da an wurde mir erst bewusst, wieviel Müll – vor allem Plastikverpackungen – ich auf der Straße oder auf den Grünflächen herumliegen sehe. Bei den täglichen Ausflügen mit den Tageskindern sammeln wir oft auf, was nicht hierher gehört. Die Baumwurzeln, bei denen wir klettern oder die Grünflächen, wo die Kinder spielen, säubern wir vom Müll. So bekommen die Kinder ein Gefühl für die natürliche Ordnung.

Positive Auswirkungen

Am Ende des Jahres hatte ich in der Betriebswohnung einen dreiviertel vollen gelben Sack mit Plastikmüll, privat einen prallvollen Sack. Soviel sammelte sich dennoch an, aber schon viel weniger als früher. Ich blicke zurück auf viele wertvolle Erfahrungen, auf neue Beziehungen und auf einen stärkenden, positiven Austausch mit Gleichgesinnten. Meine Kollegin rief eine WhatsApp-Gruppe ins Leben. Wir werden immer mehr und teilen alles Wertvolle miteinander, jede auf ihre Art, von Fernsehtipps bis zu praktischen Rezepten.

Und ich mache weiter.

Lebensmittel plastikfrei einkaufen

  • Getreideprodukte, Trockenfrüchte, Gewürze, Salz und Zucker erhalte ich im Unverpacktladen oder offen im Bioladen
  • Nudeln in verschiedensten Variationen beziehen wir offen bei einem Familienbetrieb aus Pischelsdorf
  • Joghurt und Topfen gibt’s im Glas beim Bauern aus einem Kühlschrank zur Selbstentnahme, ebenso Milch zum Selbstabfüllen aus dem Tank
  • Das Brot hole ich von einer Bäurin oder auch mal vom Bäcker oder Geschäft, aber mit Stoffsackerl oder oftmals wiederverwendeten Papiersäcken
  • Käse wird in bestimmten Geschäften freundlich in mitgebrachte Dosen gepackt
  • Bioäpfel hole ich in größeren Mengen vom Bauernhof
  • Das biologische Gemüse kaufe ich am Bauernmarkt, daraus stelle ich auch Suppenpaste und getrocknete Suppenbrühe her
  • Ein paar Teekräuter ziehe ich zu Hause und im kleinen Betriebsgarten, an denen riechen die Kinder besonders gerne. Daraus machen wir auch Kräutersalze
  • Wir haben einen eigenen Komposthaufen im Betriebsgarten angelegt, so wissen die Kinder, was mit den wertvollen Resten geschieht.

Praktische Ideen für den Alltag

  • Das Plastikgeschirr der Kinder habe ich durch fröhlich bunt bemaltes Porzellan- und Glasgeschirr ersetzt und die Kinder lieben das Einschenken mit dem kleinen Glaskrug.
  • Aus einem alten Leintuch haben wir bunt bedruckte Stoffservietten gezaubert, die die Küchenrolle ersetzen. Und die Kinder freuen sich über ihre Tücherl, die sie manchmal auch selbst nass machen können.
  • Mit meinen Töchtern habe ich Bienenwachstücher hergestellt, zum Einwickeln von Keksteig, Käse oder zum Abdecken von Schüsseln – anstelle von Frischhalte- oder Alufolie
  • Das Geschirrspülpulver und den Klarspüler mache ich nun selbst, das ist einfach und funktioniert gut. Zusätzlich reinige ich den Sensor und die Siebe des Geschirrspülers regelmäßig.
  • Die Kinder basteln mit Naturmaterialien, verwenden sie zum Schütten oder in der Puppenküche.
  • Ich habe Filz-Spielsachen für die Puppenküche genäht, Eis am Stiel, Schoko, Käse, Nudeln …
  • Unsere Knete ist selbstgemacht.

Kinder machen begeistert mit

Unser neuer Jausenplatz ist mit Fotos von den verschiedenen Bauernhöfen geschmückt. Denn so wissen die Kinder, woher unsere Lebensmittel kommen. Sie freuen sich und haben einen Bezug beispielsweise zum Hund der Apfelbäurin oder zur Milchbäurin, dei der der Kühlschran im Freien stehen kann oder zum Backraum der Brotbäurin …

Außerdem lasse ich die Kinder das Obst und Gemüse angreifen, aufheben, an Kräutern und Gewürzen riechen, das Getreide in den Gläsern anschauen, weil es gekocht oft anders aussieht …

Plastikfrei oder reduziert einzukaufen erfordert ein Umdenken und gutes Organisieren der Wege. Doch dafür fallen viele unbedachte Spontaneinkäufe im Supermarkt weg, wie auch die Werbeberieselung und Beeinflussung durch das Überangebot.

Es wird immer einfacher, plastikfrei zu leben. Aber ehrlich gesagt, gibt es auch ein paar Ausnahmen.

Elisabeth L., Betriebstagesmutter aus Graz

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