Ein Buch kann so viel

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Für meine jüngsten Tageskinder gehört es schon zum morgendlichen Ritual, gleich nach dem Ankommen und der Begrüßung ins Spielzimmer zu laufen und sich ein Buch im Bücherregal auszusuchen. Das Anschauen der Bilder dauert nur wenige Minuten. Aber das Kind nutzt und braucht diese wertvolle Zeit, um in der Leseecke behutsam ankommen zu können.

Meist gesellt sich dann noch ein zweites Kind dazu. Dann beobachte ich gemeinsames Staunen und Entdecken und manchmal tauschen die Kinder die Bücher. Die Neugier ist geweckt und Konzentration und Feinmotorik werden gefördert. Das gemeinsame Interesse an den Büchern verbindet und gibt den Kindern Sicherheit.

Gemeinsame Vorlesezeit

Das Lesen ist eine ganz wertvolle Zeit im Alltag. Wir bereiten uns auf die Lesezeit gemeinsam vor, um die Gruppenbildung zu stärken. Entweder bauen wir eine Lesehöhle, in der es spannend werden darf, wir sitzen rund um den Tisch oder wir platzieren Sitzkissen am Boden, damit jedes Kind seinen Platz findet. Speziell Kinder in der Eingewöhnungsphase sitzen gerne auf meinem Schoß, um mehr Zuneigung, Sicherheit und Geborgenheit zu spüren.

Welches Buch lesen wir heute?

Die Auswahl des Buches richtet sich nach dem Alter und der Gruppengröße meiner Tageskinder und nach den jeweiligen Interessen der Kinder. Oft knüpfe ich mit einem Buch an aktuelle Themen an oder verwende es als Hilfestellung für das Alltagsgeschehen. Außerdem lesen wir Bücher passend zum Jahreskreis und den dazugehörigen Festen. So können wir uns gut darauf einstimmen.

Aber oft ist es „irgendein“ Buch, das mir ein Kind bringt. Damit sagt es mir: „Ich brauche deine Aufmerksamkeit.“

Was ist mir beim Lesen wichtig?

In entspannter Atmosphäre entdecken wir gemeinsam Dinge, wir benennen sie und fördern so die Sprachentwicklung. Ich achte auf eine gezielte Betonung, verändere meine Stimme und die Lautstärke. Außerdem wandle ich Mimik und Gestik, damit die Kinder eine Verbindung zwischen den Bildern und des Textes herstellen können.

Ich motiviere sie, sich am Gruppengespräch zu beteiligen. Durch ausreichende Pausen bietet sich die Gelegenheit in einen Dialog zu treten. Damit keine Langeweile aufkommt, beziehe ich sie mit ein, somit kann auch die Konzentration länger anhalten. Zudem können wir mit Handpuppen oder Stoffraupe wir die Geschichten lebendig gestalten. Außerdem gehe ich auf die Reaktionen der Kinder ein und greife ihre Äußerungen auf. So können sie die Geschehnisse gut verarbeiten. Schließlich gelingt es den etwas Größeren oftmals schon, in verschiedene Rollen zu schlüpfen.

Mein Ziel ist es, meine Tageskinder auch in diesem Bereich bestmöglich zu fördern. Vor allem ihre Phantasie anzuregen und ihre Begeisterung und Freude am Lesen zu wecken.

Helga Ü., Tagesmutter aus Werndorf