Mit allen Sinnen durch die Welt

mit allen sinnen

Wie fühlen sich Regentropfen an? Wie riecht nasses Laub? Und wie schmeckt Petersilie? Diese und viele andere Fragen stellen sich meine Tageskinder und ich. Denn unser Jahresthema lautet „Mit allen Sinnen“.

So lernen wir

Wahrnehmung und Sinne haben einen zentralen Stellenwert bei einer gesunden körperlichen und geistigen Entwicklung. In den ersten vier Lebensjahren sind alle „Empfangsstationen“ weit geöffnet. Und sie sind bereit, die Eindrücke, die die Welt zu bieten hat, aufzunehmen und zu verarbeiten. Nicht zuletzt wird damit auch der Grundstein für späteres schulisches Lernen gelegt. Dabei spielen Tagesmütter und -väter neben den Eltern eine Schlüsselrolle, indem sie in ihrem Betreuungsalltag vielfältige Eindrücke für alle Sinne „bereitstellen“.

Den Kindern macht es jedenfalls Riesenspaß, sich Tag für Tag auf eine neue Sinnesreise zu begeben. Nachdem ich die Kinder gut vorbereitet habe, kommen die Impulse zu unseren Erfahrungsinhalten zum Teil von den Kindern selbst. Und zum Teil ergeben sie sich aus den Alltagssituationen drinnen und draußen. Oder ich bereite entsprechende Spiele, Materialien und Experimente vor.

Wir gehen auf Sinnesreise

Wir machen Musik an einem besonderen Ort – auf unserem Musikteppich mit Orff-Instrumenten. Musik machen wir aber auch mit Alltagsgegenständen – mit Besteck, Plastikflaschen, Stöcken, etc. Und nicht nur im Haus, sondern auch in der freien Natur. Außerdem basteln wir einfache Musikinstrumente wie zum Beispiel Rasseln selbst. Dazu sammeln wir Naturmaterialien – Kieselsteine, Nussschalen oder Kerne und füllen sie in leere Yoghurtbecher mit durchsichtigem Deckel. Denn da können wir sogar zuschauen, wie es rasselt!

Wir kochen und backen gemeinsam, dabei verkosten wir Gewürze, fühlen Lebensmittel mit unseren Händen – Tiefkühlerbsen machen die Hände kalt! Oder wir schneiden, schälen, bestreichen oder riechen an den Speisen – und dann verschmausen wir sie natürlich auch.

Sind wir in der Natur unterwegs, ob im Garten, im Wald oder im Park, sehen wir den blauen Himmel, riechen Erde und Laub, fühlen die Rinde und die Steine. Wir balancieren auf Baumstämmen, klettern auf Büsche, rutschen den Hügel hinunter, hören die Geräusche unserer Umgebung – Hundegebell, Autos, Flugzeuge, Kinderstimmen, Babyweinen …

Noch mehr Sinneserfahrungen

Wir machen Feuer im Garten – fühlen Holz, knüllen Papier, spüren die Wärme, sehen die Flammen lodern, hören das Feuer krachen … Oft singen wir Lieder, hören Sprüche oder lesen Bücher über unsere Sinne. Wir machen uns Gedanken über die Ohren, Nasen, Münder verschiedener Tiere.

Beim Spielen mit Bausteinen, Tüchern oder Karten lernen wir spielerisch die Farben kennen. Spezielle Spiele sprechen unsere Wahrnehmung an und fördern sie – Schattenmemory, Fühlschlange, Schatzschüssel … Oder wir probieren unterschiedliche Farben, Techniken und Werkzeuge aus.

Wir gehen täglich ins Freie und erfahren unmittelbar und mit allen Sinnen die Natur im Wechsel der Jahreszeiten. Dabei nehmen wir uns selbst mit unseren Bedürfnissen und uns als Gruppe wahr. Wir erleben unseren festen Tagesablauf, unsere Rituale und Regeln.

Diese Spiele finden die Kinder besonders interessant und lustig.

Schattenmemory

Einfache Motive aus dem Alltagsleben der Kinder einmal bunt, einmal schwarz – als „Schatten“ – aus Buntpapier ausschneiden, auf Kartonkärtchen kleben und eventuell laminieren. Dieses Spiel können Kinder in verschiedenen Varianten spielen. Zum Beispiel Pärchen suchen oder mit älteren Kindern als Memory.

Fühlschlange

Einen alten Strumpf oder eine halbe Strumpfhose mit unterschiedlichen Fühlmaterialien wie Kaffeebohnen, Steinchen, Maiskörner, Staniolkügelchen, Schwämmchen füllen. Die einzelnen Abschnitte verknoten oder abbinden. Dann noch ein Gesicht aus Stoff, Glöckchen, Knöpfen gestalten, und eine Zunge aus Filz annähen. Fertig!

Schatzschüsseln

Große Schüsseln mit Reis, Sand oder Trockenlinsen füllen. Darin möglichst unterschiedlich geformte und aus verschiedenen Materialien bestehende Alltagsgegenstände vergraben. Die Kinder dürfen sie ausgraben!

Herbstcollage

Kinder dürfen mit Korken, Fingern oder anderem Malwerkzeug in Schachteldeckeln malen. Am Schluss fügen sie selbst gesammelte Naturmaterialien wie Blätter, Beeren, getrocknete Blüten dazu.

Wir er-leben uns und die Welt mit allen Sinnen und in ständiger Wechselwirkung. Das macht uns stark für die Zukunft und alles, was wir noch vorhaben!

Johanna O., Tagesmutter aus Graz

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