Fünf Hexen üben lustiges Sprechzeichnen

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Die letzten Monate standen bei uns ganz im Zeichen der Hexen. Wir hörten Hexengeschichten, zeichneten Zauberzeichen, lernten Zaubersprüche und gründeten sogar einen Hexenclub. Unsere Hexenzeit ließen wir bei einem Hexenfest ausklingen. Und all das begann mit dem Buch „Lustiges Sprechzeichnen“.

Lustige Hexengeschichten und dazu passende „Zauberzeichen“ unterstützen spielerisch die Sprachentwicklung der Kinder. „Sprechzeichnen“ heißt gleichzeitig sprechen und eine Form dazu zeichnen. Das ist kein Schreiblehrgang, sondern es geht um die Bewegung und deren Empfinden. Sprache, Bewegung und Atmung kommen in Fluss, das Körpergefühl sowie die Konzentration werden angeregt. Betonung, Gliederung und Rhythmus gehören zum gelungenen Spracherwerb. Das Sprechzeichnen „verführt“ dazu, einerseits gut gegliedert und betont und andererseits fließend zu sprechen.

Kreise, Achter, Schleifen, Winkel und Zickzacklinien kehren in Variationen immer wieder. Runde Formen verwenden wir häufiger, sie bringen Schwung in die Bewegung. Das Dreieck oder die Zickzacklinie bremsen die Bewegung und fördern das in Silben gegliederte Sprechen. Die verwendeten Formen sind für das Auge klar und prägnant. Die Spur lenkt die Aufmerksamkeit des Kindes. Die Bewegung des Zeichnens fordert Hand und Auge – das ist pure Konzentration.

Beide Hände lernen

Beim Sprechzeichnen sollen beide Hände zum Zug kommen. Rechtshänder sollen es auch einmal links probieren und umgekehrt. So werden beide Gehirnhälften beschäftigt. Zunächst ist das irritierend, dann aber eine ganz neue Erfahrung. Beidhändiges Zeichnen führt zu einem besseren Raumgefühl und wirkt sich positiv auf die innere Harmonie aus. Das Sprechzeichnen hilft Kindern, Papier und Stift „in den Griff“ zu bekommen. Die dabei gemachten Erfahrungen sind eine gute Grundlage für die spätere Schreibbewegung.

Zu diesen Zauberzeichen sagen die Kinder einen kurzen, gereimten Zauberspruch auf.

Kicherkraut und Kürbiskerne,
Kräuterschaum und Nelkensterne
Und noch sieben Zauberworte,
fertig ist die Hexentorte.“

Viele Schritte zum Sprechzeichnen

Jeder Vers und jede Form braucht Zeit und soll einzeln und lange geübt werden. Vor dem Zeichnen lernten wir den Hexenspruch, dann erst kommt die Form dazu. Kinder brauchen die große Bewegung, um eine Bewegungsform wirklich zu begreifen. Der ganze Körper muss zuerst die Form kennen lernen. Dazu zeichnen wir sie anfangs mit beiden Händen groß in die Luft, am Boden in einer großen Spur, mit dem Finger auf den Rücken oder Bauch des Kindes oder mit dem Radiergummi auf den Tisch. Der nächste Schritt verbindet Vers und Form. Mit verschiedenen Farben zeichnen die Kinder die gewünschte Form auf Papierblätter, viele Wiederholungen machen den Sinn des Sprechzeichnens aus. Zu jedem Zauberzeichen und Zauberspruch gibt es eine passende Hexengeschichte im Buch.

So erlernen die Kinder auf spielerische Weise Wichtiges für die Sprache und die Bewegung und auch fürs Schreiben in der Schule. Das Sprechzeichnen kann besonders hilfreich für Kinder sein, die Silben oder ganze Wortteile verschlucken, undeutlich oder zu schnell sprechen, sich verhaspeln, stottern, in der Bewegung unsicher oder unruhig sind.

Kleine Hexen mit Feuereifer bei der Sache

Ob die Tageskinder die Zauberzeichen auf der Papiervorlage zeichneten, sie mit Straßenkreide groß auf den Asphalt malten, die Hexensprüche beim Schaukeln aufsagten oder in ein einfaches Lied verpackten, alle waren immer mit Begeisterung bei der Sache! Die Übungen und Geschichten aus dem Buch waren uns aber noch nicht genug. Daher schöpften wir das Thema Hexen in seiner ganzen Vielfalt aus. Wir gründeten einen Hexenclub mit eigenem Leitspruch, bastelten Hexenbesen und Zauberstäbe, gestalteten schöne Zauberhefte, lasen Hexenbücher, sangen passende Lieder, erkundeten Pflanzen und Tiere im Wald und in der Au, sammelten Kräuter für Tee und Maiwipferl für den selbst gemachten Hustensaft. Weil gute Hexen auch die Umwelt schützen, waren wir zudem draußen in der Natur Müll sammeln und retteten jeden gefährdeten Regenwurm oder auf dem Rücken liegenden Käfer.

Ein Hexenfest zum Abschluss

Unsere lustige und anregende Hexenzeit ließen wir mit einem Hexenfest ausklingen. Mit Eltern und Geschwistern führten wir ein eigens geschriebenes Hexenlied auf, das großen Anklang bei den vielen Gästen fand. Wie es sich für Hexen gehört, versammelten wir uns schließlich um ein Lagerfeuer und ließen uns gegrillte Würstchen und Spinnenkuchen schmecken.

Ein Projekt als große Bereicherung

Den Kindern und mir hat das Hexenprojekt viel Spaß gemacht, denn wir haben in vielerlei Hinsicht davon profitiert. Nicht nur Spracherwerb und Bewegungsfreude wurden gefördert, auch das Basiswissen der Kinder wurde bereichert, ihr Bewusstsein für Natur und Umwelt wurde aktiviert. Und nicht zuletzt stärkten diese freudvollen Aktivitäten die Freundschaften und den Zusammenhalt der kleinen Gruppe.

Elisabeth P., Tagesmutter aus Leibnitz

Das Buch zum Projekt: Lustiges Sprechzeichnen, Gabriele Ross und Robert Erke, Verlag Pattloch

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