Viel Zeit für die Eingewöhnung

eingewöhnung

Es ist 7.30 Uhr, das erste Tageskind trudelt ein. Nach der Begrüßung verabschiedet sich Lea mit einem Küsschen von ihrer Mama. Die Eingewöhnung ist schon lange abgeschlossen, daher findet sich Lea gut in der Bärengruppe zurecht und kann sich schnell und leicht von ihrer Mama trennen.

Da öffnet sich wieder die Tür. Anton kommt an seinem ersten Tag in die Bärengruppe. Er ist fest an seine Mama gekuschelt und schaut nur kurz zu mir. Die anderen Kinder spielen in Ruhe weiter. Wir unterhalten uns ein wenig und Anton sucht sich anschließend gemeinsam mit seiner Mama ein Spiel. Die beiden sind in der Gruppe dabei und lernen den Tagesablauf, unsere Rituale und wichtigsten Eckpfeiler des Tages, welche den Kindern große Sicherheit vermitteln, kennen. Sie räumen gemeinsam die persönlichen Dinge wie Windeln, Wechselgewand, Trösterchen etc. in die Kiste von Anton.

Erste Annäherung

Schritt für Schritt nimmt Anton mit mir und den anderen Kindern Kontakt auf. Seine Mama ist immer in seiner Nähe oder zumindest in seinem Blickfeld. Drei Tage lang festigen wir das gemeinsame Teilnehmen in der Gruppe. Ich werde für Anton nach und nach zu einer wichtigeren Bezugsperson. Er beginnt mich um Dinge zu bitten oder bewusst auf mich zuzugehen. Nach drei Tagen starten wir den ersten Trennungsversuch. Anton muss allerdings sehr viel weinen und lässt sich von mir nicht beruhigen. Seine Mama ist gleich da und tröstet ihn.

In so einem Fall sieht das Berliner Modell eine längere Eingewöhnungszeit vor. Dabei sollte in den nächsten fünf bis zehn Tagen darauf geachtet werden, die Beziehung zur Tagesmutter zu stabilisieren. Erst nach sieben Tagen sollte man wieder eine Trennung versuchen.

Vertrauen

Antons Mama hat zum Glück genügend Zeit eingeplant und kann sich auf ihn und seine Eingewöhnung konzentrieren, ihm Vertrauen und Mut schenken. An den nächsten Tagen ist Antons Mama immer im Geschehen dabei. Dabei hält sie sich aber stets im Hintergrund, damit Anton sich nach und nach besser von ihr lösen kann. Der Kontakt zu den anderen Kindern und der Tagesmutter wird immer intensiver.

Nach drei weiteren Tagen sucht sich Antons Mama einen gemütlichen Platz im Haus, an dem sie für Anton gut zu sehen ist. Sie liest in Ruhe ein Buch und Anton hat so das Gefühl, seinen sicheren Hafen für sich zu haben. Er ist mutig und spielt gerne mit den anderen Kindern und sucht nur ein- bis zweimal seine Mama zum Kuscheln auf.

Große Schritte

Die Garten- und Jausenzeit schafft er schon ganz ohne seine Bezugsperson. Nach sieben Tagen unternehmen wir den nächsten Trennungsversuch und Anton lässt sich rasch von mir beruhigen. Er findet ein Spiel und kann sich gut darauf konzentrieren. Die größte Hürde der Eingewöhnung ist somit geschafft und jeden Tag schafft er es länger, entspannt bei mir zu bleiben.

Die Eingewöhnung ist ein Prozess, ein Miteinander, zwischen Eltern, Kind und Tagesmutter. Vertrauen, Zeit, Zuspruch, Austausch, Miteinander und Mut machen sind die für mich die wichtigsten Faktoren, welche die Eingewöhnung positiv beeinflussen und diese garantiert gut gelingen lassen.

Pia H., Tagesmutter aus St. Oswald bei Plankenwarth

Ein Buchtipp zur Eingewöhnung bei der Tagesmutter oder dem Tagesvater