Eingewöhnung bei der Tagesmutter

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Läuft die Eingewöhnung des Kindes gut, fällt der Start bei der Tagesmutter leicht. Kann in dieser Zeit das Vertrauen der Eltern aufgebaut werden, läuft die restliche Betreuung „wie am Schnürchen“.

Oft findet bei uns Tagesmüttern und -vätern das erste Loslassen der Eltern statt und ist mit vielen Bedenken verbunden. In meiner langjährigen Arbeit als Tagesmutter ist mir bewusst geworden, wie wichtig die Elternarbeit und die Eingewöhnung der Kinder ist.

Großes Vertrauen

Sein Kind einer anderen Bezugsperson anzuvertrauen setzt sehr viel Vertrauen voraus. Wenn man sein Kind einmal für ein paar Stunden von der eigenen Mutter, also der Oma betreuen lässt, weiß man, auf was man sich einlässt. Man kennt seine Mutter, ihre Werte, ihre Regeln und die Umgebung.
Bei einer Tagesmutter weiß man sehr wenig. Man muss ihr einen Vertrauensvorschuss entgegenbringen.  Zusätzlich kämpft man mit seinen eigenen Gefühlen und dem Abnabeln vom Kind!

Das Berliner Eingewöhnungsmodell

Seit längerem schon arbeite ich mit dem Berliner Eingewöhnungsmodell. Dieses ist in einzelne Phasen eingeteilt, damit sich das Kind Schritt für Schritt an die neue Umgebung und an mich gewöhnen kann. Das Einbeziehen der Eltern in dieser Zeit ist ein wesentlicher Bestandteil. Die Kinder haben Zeit, sich unter dem Schutz der Eltern mit der Umgebung, der Gruppe und mir vertraut zu machen und eine Beziehung zu knüpfen.

In der Regel melden sich die Eltern bei mir telefonisch und ich bitte sie zu einem Kennenlernen zu mir. Sie schauen für eine kurze Zeit in unseren Tagesablauf rein. So lernen sie mich etwas kennen. Ich erzähle von unserem Alltag, von den Besonderheiten, von meinem pädagogischen Konzept und zeige ihnen unsere Umgebung. Danach gebe ich den Eltern Zeit zu überlegen, ob es ihnen bei mir gefällt. Sollte es zu einer Betreuung kommen, fängt die Eingewöhnung an.

Erstes Kennenlernen

In der Grundphase der Eingewöhnung bitte ich die Eltern, so oft sie Zeit haben, auf unseren Spielplatz zu kommen. Die Kinder sollten in dieser Zeit nie das Gefühl haben, hier bleiben zu müssen, oder dass ihre Eltern weggehen. Es soll ein Spielplatzbesuch mit den Eltern sein, wo die Kinder und ich zufällig auch da sind. Ich beobachte das Kind, lerne es kennen, seine Vorlieben oder eventuelle Ängste. Ich warte bis das Kind auf uns zukommt und mit uns zu spielen beginnt. Diese Phase ist auch für die Eltern wichtig, damit sie Vertrauen zu mir aufbauen können. Sie sehen, wie ich mit den Kindern umgehe, wie wohl sich die Kinder fühlen, unseren Umgang miteinander. Außerdem findet sich immer wieder Zeit für Fragen.

Erste Trennung

Merke ich, dass das Kind sich wohlfühlt und immer weniger die Eltern braucht, gehen wir in die Stabilisierungs- und Trennungsphase.
In dieser Phase ziehen sich die Eltern immer mehr zurück und sollten sich im Hintergrund halten. In dieser Zeit sind die Eltern das Sicherheitsnetz des Kindes.

Erste Schritte hinaus ins Leben

Und dann fangen wir langsam an das Kind bei mir zu lassen und die Eltern gehen weg. Dem Kind wird ganz klar gesagt, dass die Eltern weggehen und dann wieder kommen. Ein Davonschleichen ist ganz schrecklich für das Kind und schafft Ängste! Am Anfang ist es eine halbe Stunde, und wird dann immer weiter gesteigert, so wie es für das Kind passt und es die Zeit zulässt. Dieses langsame Steigern gibt dem Kind die Sicherheit, dass die Eltern es auch wirklich abholen und dass sie auch dann kommen wie versprochen, wie abgemacht. Wichtig ist, dass die Eltern in dieser Phase erreichbar sind, dass ich sie jederzeit anrufen kann, weil das Kind zu holen wäre, weil es vielleicht doch noch zu lang ist. In dieser Zeit schicke ich gerne den Eltern Fotos von ihrem Kind, damit haben sie einen Einblick, was ihr Kind gerade macht, wie es ihm geht.

Ich habe gemerkt, je klarer ich das vorgebe und den Eltern erkläre, desto sicherer sind sie sich und umso schneller findet das Loslassen statt.

Wohlfühlen und Sicherheit

In der Schlussphase der Eingewöhnung und am Beginn der Betreuung können öfters noch ein paar Tränen fließen. Dabei ist wichtig, dass das Kind sich bis dahin so wohl bei mir fühlt, dass es sich von mir trösten lässt. Nach kurzer Zeit vergisst es dann, wieso es geweint hat und fängt zu spielen an.
In dieser Zeit sollten sich die Eltern wirklich sicher sein, dass sie das Kind zu mir geben wollen, Vertrauen zu mir haben und dies auch bei den Kindern wiederspiegeln. Je sicherer sich die Eltern sind, desto schneller wird sich das Kind wohl fühlen und die Betreuung genießen und Spaß haben.

Gute Kommunikation

Offenheit den Eltern gegenüber und viele Gespräche in dieser Zeit sind für mich selbstverständlich. Denn sie sind die Basis für eine gute Zusammenarbeit in der Zukunft.
Ich habe die Erfahrung gemacht, je besser ich die Eltern begleite, desto leichter wird es für die Kinder. Das langsame und vorsichtige Abnabeln macht es den Kindern leichter. Es zeigt ihnen, dass eine Welt außerhalb der Familie schön, lustig und ereignisreich sein kann.
Einer langjährigen und wertvollen Betreuung steht dann nichts mehr im Weg!

Pia D., Tagesmutter aus Weiz

Ein Buchtipp zur Eingewöhnung bei der Tagesmutter oder dem Tagesvater