Arbeiten als Tagesmutter oder Betriebstagesmutter?

Tagesmütter, Tagesväter oder KinderbetreuerInnen haben mit ihrer Ausbildung mehrere Möglichkeiten ins Berufsleben einzusteigen. Ich möchte zwei dieser Berufswege näher beleuchten und die Unterschiede besprechen: Die Arbeit als Tagesmutter oder -vater im eigenen Haushalt sowie die Arbeit als Betriebstagesmutter oder -vater in den Räumen eines Betriebes.

Der Tag beginnt

Morgens um 7.00 Uhr läutet es. Tagesmutter Sonja öffnet die Türe ihrer Wohnung, empfängt das erste Tageskind und begrüßt es liebevoll. Die eigenen beiden Kinder sitzen noch am Frühstückstisch, machen gerade die letzten Bissen von ihren Marmeladebroten und packen danach ihre Schultaschen. Ihre Mutter vergewissert sich nochmals, ob alle Schulsachen und die Jause eingepackt sind. Während es wieder an der Türe läutet, verabschieden sich die beiden Kinder. Sonja begrüßt das zweite Tageskind.

Betriebstagesmutter Eva verlässt um 6.00 Uhr in der Früh ihr Haus. Sie fährt mit dem eigenen Auto etwa 30 Minuten zur Betriebstagesstätte und nimmt dort pünktlich um 6.30 Uhr das erste Kind in Empfang.

Die Arbeitszeiten der Betriebstagesmütter richten sich immer nach den Bedürfnissen der MitarbeiterInnen des Betriebes. Wir müssen jede Betreuungsanfrage von Eltern annehmen. Das heißt, die Arbeitszeiten der Tagesmütter richten sich nach den Arbeitszeiten der Eltern. In manchen Betrieben kann der Arbeitstag schon um 5.45 Uhr beginnen.

Kochen, Jausnen, Mittagessen

Meist beginnt Sonja, Tagesmutter im eigenen Haushalt, mit den ersten Vorbereitungen für das Mittagessen bevor alle Tageskinder da sind. Kurz vor dem Mittagessen kocht sie die Speisen fertig, manchmal helfen ihr die Kinder dabei. Sie kocht täglich frisch und das kommt auch ihrer Familie zugute.

Die meisten unserer 18 Betriebstagesmütter bekommen das Essen aus der betriebseigenen Kantine. Am Anfang der Woche wählen die Betriebstagesmütter die Speisen aus und achten darauf, dass die Zusammensetzung kleinkindgerecht ist. In jeder Betriebstagesstätte sind die Räume vom Betrieb eingerichtet und mit pädagogischen Materialien ausgestattet. Zusätzlich gibt es auch eine Küche. Tagsüber können die Tagesmütter hier Kleinigkeiten zubereiten sowie die Jause richten, und manchmal kocht sie auch gemeinsam mit den Kindern.

Nach dem Essen wäscht die Betriebstagesmutter das Geschirr ab und räumt Küche und Zimmer auf. Zweimal in der Woche kommt eine Reinigungskraft, die die Böden, das Bad und das Klo säubert.

Der Betreuungsalltag mit den Kindern

Sowohl Tagesmütter und -väter im eigenen Haushalt als auch Betriebstagesmütter gestalten ihren Arbeitsalltag selbstständig, eigeninitiativ und selbstbestimmt. Kinder erfahren bei den Tagesmüttern und -vätern eine individuelle, auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Betreuung in der Kleingruppe.

Der große Unterschied besteht darin, dass Tagesmütter und -väter im eigenen Haushalt die Betreuung und Erziehung ihrer eigenen Kinder ausgezeichnet mit ihrem Beruf verbinden können.

Am Standort des Betriebes können zwei Tagesmütter oder -väter gemeinsam arbeiten. In dieser Teamarbeit sehen unsere Betriebstagesmütter und Eltern aus unterschiedlichen Gründen viele Vorteile. Allerdings können unsere Betriebstagesmütter ihre eigenen Kinder weder während des Schuljahres noch während der Ferienzeiten mitbetreuen.

Michaela Linhart, MBA
Geschäftsführerin