Praktikum bei einer Tagesmutter

praktikum bei einer tagesmutter

Ich begleite seit über zehn Jahren als Praktikumstagesmutter immer wieder Praktikantinnen. Maryam, aus dem Ausbildungslehrgang Kalsdorf wird ihre Ausbildung mit einer Abschlussarbeit beenden und hat Praktika sowohl bei Tagesmüttern als auch im Kindergarten bzw. in der Kinderkrippe zu absolvieren.

Jedes Jahr  freue ich mich wieder auf die Praktikantinnen. Die Eingewöhnung der neuen Kinder in die Gruppe ist dann meist abgeschlossen. Sie sind stabil, das heißt es gibt keinen Trennungsschmerz mehr, alle Kinder sind gut angekommen. Meine Tageskinder sind bereit für Neues. Da trifft es sich gut, dass eine Praktikantin für zwei Wochen zu uns kommt.

Start ins Praktikum

Ihr allererstes Praktikum macht Maryam bei mir. In den ersten Tagen des Praktikums geht es immer darum, Beziehung zu den Tageskindern aufzubauen. Oder einfach nur am Gruppengeschehen teilnehmen, beobachten und Fragen stellen. Nach und nach bringt sich Maryam in den Tagesablauf ein. Sie muss für die Ausbildung zwei Praktikumsaufträge erfüllen. Darüber hinaus kann sieverschiedene Dinge ausprobieren oder einfach zuschauen, um Neues zu lernen.

Mein jüngstes Tageskind ist vier Monate alt und wird noch mit der Flasche gefüttert. Die anderen Kinder sind ein bis drei Jahre alt. Das ist eine große Herausforderung für Maryam, ihre Praktikumsaufträge altersgerecht vorzubereiten.

Wir sind kreativ

Wir waren mit den Kindern in der Natur, um Gräser, Blätter etc. zu sammeln und Maryam trocknete diese über Nacht. Am nächsten Tag hat sie für die Kinder Bilderrahmen vorbereitet. Dafür klebte sie eine Buchfolie mit Kreppband so an der Fensterscheibe fest, dass die Klebeseite zu uns schaute. Die Kinder klebten nun mit den Naturmaterialien Bilder in den Rahmen. Dabei entdeckten sie, dass auch andere Dinge kleben wie zum Beispiel ein Puzzleteil oder eine Plastikschüssel aus der Puppenküche.

Am nächsten Tag gab es dann ein Gemeinschaftsrahmen für alle. Dabei wurde jetzt aber kunterbunt, mit buntem Kartonpapier und Seidenpapier. Erst klebten die Kinder alles voll, um dann wieder alles Papier zu entfernen.

Ganz viel Farbe

Bei ihrem zweiten Projekt legte Maryam den Boden mit weißem Papier aus und beklebte zur Sicherheit auch noch die Wände mit Papier. Die Kinder durften zuerst barfuß über das Papier laufen. Später malten sie sich, allein oder mit etwas Hilfe, mit Fingerfarben ihre Hände und Füße an. Und dann liefen sie über das Papier, drückten ihre Hände darauf oder ließen das Spielzeugauto mit bunt bemalt Rädern darüber rollen. Beim Beobachten wollte man gleich selber mitmachen …

So macht Zähneputzen Spaß

Maryam hatte für die Kinder einen großen gezeichneten Mund mit Zähnen in einer Klarsichtfolie mit. Mit bunten Stiften malten sie zuerst Erdbeeren, Kiwi und Bananen auf die Zähne. Und dann putzten mit einer Zahnbürste die Zähne wieder blitzsauber.

Ich möchte Maryam ein Lob aussprechen. Auch jetzt nach dem Praktikum sind die Rahmen und das Zähneputzen immer noch im Einsatz. Ich arbeite sehr gerne mit Praktikantinnen, da ich erstens alles Wissenswerte gerne weitergebe. Und weil bisher jede einzelne meiner ca. 20 Praktikantinnen eine Bereicherung für meine Gruppe war. Jede bringt sich individuell mit verschiedenen Ideen, Ansichten und auch kulturellem Hintergrund ein. So lerne auch ich immer wieder Neues.

Ich wünsche Maryam alles Gute für ihre restliche Ausbildungszeit.

Isabella E., Tagesmutter aus Graz